Ein neuer Tag bricht an

Ein neuer Morgen bricht an. Noch ein wenig verträumt öffne ich die Augen, reibe den Schlafsand heraus und recke mich noch einmal. Gut schlief ich in der Nacht. Das Fenster war geöffnet, so konnte immer eine Prise frische Luft um meine Nase wehen. Langsam begebe ich mich in die Küche, um mir einen schönen Kaffee zu kochen. Das mache ich schon seit, keine Ahnung wann, so. Zuerst fülle ich den Wasserkocher. Jetzt hole ich eine große Tasse aus dem Schrank, der mit dem Schriftzug „Kaffeepause“ dekoriert ist. Auf diese setze ich den Kaffeefilter mit gemahlenen Kaffee. In der Zwischenzeit kocht das Wasser. Nach den ersten Kontakt von Wasser und Kaffeepulver entsteht der typische Geruch von frisch gebrühten Kaffee. Ich brauche die Zeit des ersten Kaffeetrinkens, um in den Tag zu kommen. Fehlt dieses kleine Ritual, wird es komisch, genauso wie das danach folgende Duschen und Anziehen der Tageskleidung zum Tagesstart gehören.

Ich sitze nun mit meinem Kaffee auf dem gemütlichen Sofa, die Beine noch mit der Kuscheldecke zugedeckt. Ich überlege, was muss heute erledigt werden, als mein Blick zum Fenster hinaus schweift. Irgend etwas ist anders als sonst.

Etwas durchbricht den Alltag

Über dem See, der sich vor meiner kleinen Hütte befindet, liegen Nebelschwarten. Dies kommt häufig in den Morgenstunden vor und gilt somit nicht als besonders. Doch als sie sich langsam verziehen, spiegelt sich das Licht der aufgehenden Sonne anders als sonst. Es scheint nicht mehr so grau bis schwarz unterlegt, sondern klar in gelblich, orangefarbenen bis rötlichen Tönen. Mein Blick kann sich einfach nicht abwenden. Dabei will ich doch den Tag planen.

Ich lasse mich, angezogen von dem Blick, treiben. Zeit, Raum und Gedanken dürfen schweifen, einfach so. Der Nebel verzieht sich weiter, bis er ganz verschwindet. Die kleine Insel, die sich unweit des Ufers befindet, kann ich nun klar sehen. Auf dieser bin ich gern, da stört mich keiner. Hier wachsen allerlei Sträucher und alte Bäume. Dazwischen recken sich die verschiedensten Blüten der Sonne entgegen. An einem der Ufer liegt seit Ewigkeiten ein umgeknickter Baum, den ich von der Hütte aus gut sehen kann. Er muss schon Jahre daliegen, weil festes Holz besitzt er keines mehr. Er ist einfach tot, leblos, ohne Kraft und Gefühle. Doch erscheint er mir heute anders, nur kann ich es nicht genau erkennen. Ein Fernglas besitze ich keines, aber ich will wissen, wieso erscheint der alte Baum so.

Die Neugierig siegt

Mich macht dies alles neugierig. Nachdem ich beschloss, heute lasse ich mich von den Dingen treiben, schlüpfe ich in meine Hose und Pulli. Jetzt nachdem ich vor die Tür trat, höre ich die Vögel zwitschern. Sie sitzen verteilt in den Bäumen friedlich beieinander, meist mit dem Bauch zur Sonne gewandt. Die Sonne spiegelte sich weiterhin im See, klarer als sonst. Auch ich mache es den Vögeln nach und strecke mein Gesicht der Sonne entgegen. Wollig warm strahlt sie auf mein Gesicht. Ich schließe meine Augen, höre den Vögeln zu. So verharre ich für eine Zeit. Bis der Gedanke an den alten Baum, diesen Moment unterbricht.

An dem kleinen baufälligen Bootssteg, liegt das kleine Kanu, blau gestrichen, meine Lieblingsfarbe. Einige Minuten später heißt es: „Leinen los!“ Ich rudere rüber zur Insel und betrete sie. Ich nutze den direkten Weg zum alten Baumstamm. Er liegt genauso da wie immer. Die eine Hälfte am Ufer und die andere ragt ins Wasser. Um den Stamm am Ufer wächst Gras. Dazwischen verläuft ein kleiner Trampelpfad. Den benutzte ich, um mich auf den Stamm zu setzen und das Wasser zu beobachten. Da schnappt mal ein Fisch und es bildeten sich Kreise. Die Ente schwimmen und suchen nach Futter, starten ihren Flug oder landen gerade. Aber auch das Plätschern des Wassers, ist einen Wohlklang für die Seele.

Auf alten Pfaden, aber dann…

Ich folge dem Trampelpfad und sehe Sie. Sie die Veränderung. Direkt neben meinem gewohnten Sitzplatz erblicke ich sie. Obwohl ich fast jeden Tag diesen Ort besuche, fiel Sie mir nie auf. Sicher hätte ich sie eher bemerken können, doch war ich immer mit anderen Dingen beschäftigt. Mal galt mein Augenmerk dem Kalender, voll mit Termin. Dann schrie der Herd: “ Benutze mich!“. Alle um mich herum wollten etwas von mir und ich sagte fein: „Ja, das mache ich.“ .

Heute schwirren keine Gedanken im Kopf herum. Mein Blick ist klarer als sonst. Nichts erscheint in grau- schwarz unterlegten Farben. Somit erkenne ich auch die Veränderung auf dem Baumstamm.

An einer morschen mit Erde gefüllten Vertiefung macht sich das Wunder des Lebens breit. Ich erblicke einen kleines Bäumchen mit zierlichen noch zerbrechlichen Stamm. Die Blätter glänzen in der Sonne und reflektieren das Licht. Das war es, was ich heute Morgen am Fenster sah…

Diese kleine Geschichte schrieb ich um das Bild „Der Morgen danach“ aus meiner Ausstellung „Gelebt in Farbe“. Gemalt habe ich mit Ölfarbe auf Leinwand.

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